Rentenversicherung: niedrigste Beitragssätze seit 1995

Donnerstag den 27.09.2012

Wie inzwischen allgemein bekannt sein dürfte, entwickeln sich die Beschäftigungszahlen in Deutschland seit geraumer Zeit sehr positiv. Durch die daraus resultierenden, niedrigeren Arbeitslosenzahlen steigen zwangsläufig auch die Staatseinnahmen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass der deutsche Staat in den Jahren 2011 und 2012 die höchsten Steuereinnahmen seit der Wiedervereinigung verbuchen kann. Von solch positiven Nachrichten hätte man vor einiger Zeit nur träumen können.

Doch was hat eigentlich der Bürger davon?

In der Vergangenheit hat sich immer wieder gezeigt, dass es in Deutschland sehr lange dauert, bis sich vorteilhafte Entwicklungen im Bereich der Staatsfinanzen letztendlich auch für den Otto-Normalverbraucher positiv auswirken – wenn es denn überhaupt so weit kommen sollte.

Im Hinblick auf die Beitragshöhen der staatlichen Rentenversicherung könnte es sich nun anders  entwickeln. Das bedeutet konkret: Laut Meinung führender Experten könnten die Beitragssätze erstmals seit 1995 wieder unter die magische Grenze von 19 % fallen. Das entspräche immerhin einer Reduzierung um 0,7 % (der momentane Beitragssatz liegt bei 19,6 %). Die Fachleute betonen jedoch: Eine Senkung des Beitragssatzes könne allerdings nur dann erfolgen, wenn sich die positive Entwicklung der Staatsfinanzen auch in nächster Zeit in gleicher Manier fortsetze.

Wie würde sich die Senkung der Rentenversicherungsbeiträge insgesamt auswirken?

Eine Senkung um die angesprochenen 0,7 % würde sich in einer Entlastung von insgesamt mehr als einer Milliarde Euro sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer auswirken. Allerdings erfordert dies eine gewisse Zeit, denn die Beitragssenkung soll schrittweise vorgenommen werden. Der erste Schritt erfolgt dabei zum 1. Januar 2013, zu diesem Zeitpunkt sollen die Rentenbeiträge auf 19 % reduziert werden. Alle weiteren Schritte bzw. Senkungen hängen schließlich davon ab, wie die Zahlen zur Einnahmeentwicklung des Staatshausehaltes im vierten Quartal 2012 ausfallen. Hält die positive Entwicklung an, ist bereits Mitte nächsten Jahres mit einem Beitragssatz von deutlich unter 19 % in der gesetzlichen Rentenversicherung zu rechnen.

Auch die Rücklangen der Rentenversicherung wachsen an

Positive Entwicklungen zeichnen sich auch bei den Rücklagen der Rentenversicherung in Deutschland ab. Ersten Berechnungen zufolge wird der Rücklangenbestand zum Ende des Jahres 2012 bei ca. 28,8 Milliarden Euro liegen. Setzt sich der derzeitige Trend bei den Beschäftigungszahlen fort, könnten die Rücklagen im Laufe des Jahres 2013 auf über 30 Milliarden Euro anwachsen.

Doch Vorsicht: Das angesprochene Wachstum der Rücklagen in der gesetzlichen Rentenversicherung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das gesamte Rentensystem seit vielen Jahren in einer bedrohlichen Schieflage befindet – eine Schieflage, die sich mit jedem neuen, geburtenschwachen Jahrgang weiter vergrößert. Insbesondere in den 70er- und 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts gingen die Geburtenraten sehr stark zurück. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Der seit den 50er-Jahren stetig gewachsene Wohlstand verleitete viele Paare dazu, (wenn überhaupt) nur noch ein Kind zu bekommen, um die erarbeiteten Privilegien – insbesondere in Bereichen wie Freizeit, Urlaub, Lifestyle etc. – so weit wie möglich auskosten zu können. Zudem gilt es seit dieser Zeit einfach nicht mehr als „"schick", mehr als die durchschnittlichen 2-3 Kinder zu haben. Im Gegenteil: Es setzte sich zunehmend die Ein-Kind-Strategie durch.

Es sind also auch weiterhin zusätzliche Maßnahmen für die private Altersvorsorge angebracht, anstatt sich ausschließlich auf die staatliche Rente zu verlassen.