Genussscheine und Co.: Regulierung des Grauen Kapitalmarktes in Planung

Mittwoch den 21.05.2014

Ob Genussscheine, Schwarmfinanzierung über das Internet oder Termingeschäfte, der Graue Kapitalmarkt ist groß, und bietet zahlreiche Möglichkeiten für Anleger, die mehr wollen als ihnen derzeit Festgeldkonten, Tagesgelder und andere halbwegs sichere Anlagearten bieten können. Doch immer mehr stößt der Graue Kapitalmarkt auch auf Kritik, und dies nicht erst seit der Pleite des Windparkfinanzierers Prokon. Der Grund hierfür ist einfach: Anders als der so genannte Weiße Kapitalmarkt ist der Graue nicht reguliert, und die entsprechend vertriebenen Anlageprodukte sind deshalb auch nicht genehmigungspflichtig.

Hier aber ist genau der Haken, der viele Kritiker des Grauen Kapitalmarkts so sehr stört: Da die Produkte, die in diesem Bereich vertrieben werden, keiner Genehmigung bedürfen, ist es dort in den letzten Jahren immer wieder zu Auswüchsen gekommen, bei denen Anleger zum Teil sehr viel Geld verloren haben.

Und auch in der letzten Zeit gab es immer wieder Meldungen von Unternehmen und Finanzprodukten, die bei Anlegern zu sehr viel Verunsicherung und vor allem Verlusten geführt haben. Besonders hervorstechend waren hierbei zwei Bereiche, die dem Grauen Kapitalmarkt zuordnet werden:

  • Genussscheinen und
  • Crowdinvesting, der so genannten Schwarmfinanzierung über das Internet.

Prokon-Insolvenz Auslöser zum Umdenken

Bei den Genussscheinen gibt es in den letzten Monaten richtig zur Sache, und genau dies hat dann auch zum Umdenken bei den Entscheidern der Bundesregierung geführt. Während Genussscheine nicht erst seit gestern in der Kritik standen, hat die Prokon-Insolvenz plötzlich zu offeneren Augen hinsichtlich der Verluste geführt, die solche Genussscheine mit sich bringen können.

Chancen und Risiken von Genussscheinen

Viele Anleger haben dabei immer nur auf die Zinsversprechen vertraut, die ihnen das Unternehmen in der Werbung unterbreitet hat. Und vor lauter hohen Zinsen, die so vielversprechend klangen angesichts des sonst sinkenden Zinsniveaus, haben viele der Anleger dabei das Denken vergessen und in Genussscheine von Prokon investiert. So mancher war darunter, der glaubte sogar, die ganze Nummer sei sicher, weil feste Zinsen versprochen wurden.

Festverzinsung gegen FestgeldanlageDoch zwischen einem Festgeldkonto und einer Festzinsanlage á la Genussschein gibt es einen wichtigen Unterschied: beim Festgeld wird das Geld fest auf einem Konto angelegt und mit fest vereinbarten Zinsen über eine vereinbarte Laufzeit versehen. Bei den Genussscheinen hingegen ist hingegen nur bedingt etwas fest, da der Anleger sein Geld nicht auf einem ihm gehörenden und von einer Bank geführten Festgeldkonto anlegt, sondern mit einem Genussschein einen Schuldschein des Unternehmens erwirbt.

Genussscheine sind Schuldscheine und keine Festgeldanlage!

Bei einem Schuldschein gibt man sein Geld jedoch aus der Hand und verleiht es an das Unternehmen. Wirtschaftet dieses gut, erhält der Anleger die versprochenen Zinsen auf seine Genussscheine. Wirtschaftet das ausgebende Unternehmen jedoch schlecht, dann muss der Anleger auf seine Zinsen verzichten, im schlimmsten Falle sogar auf sein gesamtes Geld.

Denn, und dies ist ein weiterer sehr wichtiger Unterschied zu einem Festgeldkonto: Für Anlagen, die auf dem Grauen Kapitalmarkt getätigt werden, und dazu zählen Genussscheine ja nun mal, tritt bei einem Verlust keine Einlagensicherung ein. (!!!) Genau dies übersehen viele Anleger, wenn sie in der Werbung auf eine Festzinsanlage stoßen und dann denken, dies wäre dann das Gleiche wie eine Festgeldanlage. Doch dies ist nicht so, und genau deshalb ist es für Anleger so wichtig, genau hinzusehen, wenn sie eine sichere Anlageart suchen und dann auf eine hoch verzinste Anlageart treffen, die alles andere als sicher ist.

Mit Crowdinvesting direkt in die eigene Pleite?

Die Schwarmfinanzierung über das Internet liegt im Trend. Nach dem Crowdfunding kam das Crowdinvesting, bei dem Anleger in StartUps investieren können. Dabei wurde und wird dann oft viel versprochen, und die Anleger vertrauen dann darauf, dass das auch alles so klappt, wie es versprochen wurde.

Doch vom StartUp und dem Crowdinvesting bis hin zu einem tatsächlichen Unternehmen, das dann auch wirklich Gewinne schreibt, ist es ein weiter Weg. Nur weil sich eine Idee gut anhört, muss sie noch lange nicht Geld einbringen. Denn nur eine Idee allein oder eine Innovation erzeugt nicht automatisch eine Nachfrage, und so manches Unternehmen ist mit dem, was es vorhat, vor seiner Zeit unterwegs, oder eben zu spät.

Natürlich wäre es falsch, das Crowdinvesting nun per se schlecht zu reden, dies sollte man auch bei den Genussscheinen nicht tun. Nur weil einige Unternehmen oder StartUp pleite gehen, bedeutet dies nicht auch zugleich, dass gleich alles schlecht ist, was auf dem Grauen Kapitalmarkt so angeboten wird.

Dennoch mussten mittlerweile zahlreiche Anleger, die sich an einer Schwarmfinanzierung über das Internet beteiligt haben, feststellen dass ihr Geld verloren ist. Weil …

  • es nicht funktioniert hat,
  • die Idee nicht gezündet hat oder
  • sie einfach nicht umsetzbar war mit den gegebenen Möglichkeiten.

Deshalb ist es für Anleger so wichtig, sich das Ganze genau anzusehen und auch gut durch den Kopf gehen zu lassen, anstatt kopflos auf wohlklingende Ideen zu reagieren und dann gleich das eigene Geld zu investieren.

Betrüger entlarven! So erkennen Sie dubiose Finanzgeschäfte

Im schlimmsten Fall droht sonst nämlich, wie bei den Genussscheinen und den Termingeschäften, der Totalverlust des angelegten Geldes. Und wer sich dabei dann verschätzt und mehr Geld angelegt hat als er finanziell selbst wirklich verkraften könnte, der ist dann auch zugleich schnell in die eigene Pleite gerutscht.

Benötigtes Geld hat auf dem Grauen Kapitalmarkt nichts verloren!

Dies bedeutet für Anleger zugleich auch, dass auf dem Grauen Kapitalmarkt, sei es in

  • Genussscheine,
  • in Crowdinvesting,
  • Termingeschäfte oder
  • ondere Anlagen

nur Geld anlegt werden sollte, das nicht benötigt wird. Sei es kurzfristig, mittelfristig oder gar langfristig. Nur Geld, das man wirklich über hat, und das eben nicht auf die hohe Kante gelegt werden und dabei in der Zwischenzeit Zinsen bringen soll, ist auch als Anlage auf dem Grauen Kapitalmarkt geeignet.

Geschlossene Immobilienfonds als alternative Geldanlage

Würden sich die Anleger dies auch wirklich bewusst machen, die zum Teil auch benötigtes Geld verlieren über solche Investments, dann würde der Graue Kapitalmarkt auch weiterhin keine Regulierung seitens des Staats benötigen. Aber das es zahlreiche Anleger gab, die blauäugig ihr Geld in Genussscheine von Prokon und andere Anlagen des Grauen Kapitalmarkts gesteckt haben, kommt nun der Staat daher und will regulieren, wodurch wieder ein Stück freie Marktwirtschaft verloren gehen wird in Deutschland.

Schäuble und Maas mit Aktionsplan

Wie das „Handelsblatt“ aktuell berichtet, haben sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und der auch für den Verbraucherschutz in Deutschland zuständige Bundesjustizminister Heiko Maas zusammengeschlossen und sich auf einen „Aktionsplan für mehr Verbraucherschutz im Finanzmarkt“ geeignet.

Am morgigen Donnerstag sollen die entsprechenden Details dazu vorgestellt werden. Noch ist nicht weiter bekannt, wie die beiden Bundesminister den Grauen Kapitalmarkt regulieren lassen wollen, aber wir vermuten, dass dabei unter anderem die Finanzaufsicht BaFin mehr Befugnisse erhalten wird.

Die BaFin wusste bereits mehrere Jahre lang von den Machenschaften von Prokon, konnte aber aufgrund nicht bestehender Befugnisse nicht einschreiten: Dies dürfte sich nun ändern, nachdem die Regeln auch für den Grauen Kapitalmarkt strenger werden. Inwieweit dieser dann jedoch reguliert werden soll oder kann, dies werden wir morgen wissen.