Mögliche Prokon-Pleite sorgt für Aufregung

Mittwoch den 15.01.2014

Wenn die Gier blind macht, dann setzen viele Anleger alles auf eine Karte. Ohne dabei zu bemerken, dass das, worauf sie setzen, möglicherweise gar die Eintrittskarte in die eigene Pleite ist. So oder ähnlich wird es derzeit vielen Anlegern gehen, die auf die Prokon Genussrechte gesetzt hatten.

Das Fatale dabei ist: nach dem Ausbruch der Finanzkrise, die sich über die ganze Welt erstreckte, sollte alles anders werden. Die Politiker schrieben sich den Schutz der Verbraucher auf die Fahnen, doch oftmals blieben es leider leere Worte, wie die drohende Prokon-Pleite nun zeigt. Zwar wurde reguliert, doch immer noch sind gerade die Kleinanleger nicht vor den Gefahren des Grauen Marktes geschützt – und fallen entsprechend auf Werbung mit hohen Zinsen herein, wie es beim Windanlagenfinanzierer Prokon der Fall war.

Anleger haben circa 1,4 Mio. Euro auf Prokon-Genussrechte gesetzt

Insgesamt 75.000 Anleger sollen fast 1,4 Milliarden Euro auf die Genussrechte von Prokon gesetzt haben, die vom Unternehmen jüngst unter Druck gesetzt wurden, das beim Windanlagenfinanzierer angelegte Kapital nicht abzuziehen sowie bereits erfolgte Kündigungen der Anlage rückgängig zu machen. Dies löste, glücklicherweise, einen Aufschrei in der Öffentlichkeit aus, der zum Gegenteil des unternehmerischen Bestrebens von Prokon geführt hat. Insgesamt wurden Genussrechte im Wert von 187,7 Millionen Euro gekündigt, so das Unternehmen selbst. Die genannte Summe entspricht etwa 13 Prozent des Genussrechtskapitals, wodurch nur noch 87 Prozent übrig bleiben. Um eine Planinsolvenz des Unternehmens durchzuführen, wäre es jedoch notwendig gewesen, dass mindestens 95 Prozent des Genussrechtskapitals erhalten bleiben. Noch bis zum 20. Januar dieses Jahres haben die Anleger nun Zeit, sich zu erklären.

Bereits jetzt dürfte wohl klar sein, dass das Lied mit einer Pleite von Prokon noch nicht zu Ende sein wird. Nicht jeder Anleger wird sich die Sache so schmecken lassen, wie es der Windanlagenfinanzierer gerne hätte. Es ist deshalb zu vermuten, dass wohl das eine oder andere Gerichtsverfahren auf das Unternehmen und möglicherweise auch auf die Unternehmensverantwortlichen zukommen wird.

Inzwischen hat sich auch der Verbraucherzentrale Bundesverband zur drohenden Prokon-Pleite geäußert. In einer Presserklärung macht der vzbv deutlich, wie sehr sich Kleinanleger an Genussrechten die Finger verbrennen können. Dort heißt es unter anderem: „Genussrechte sind Risikoprodukte, für die profundes kreditwirtschaftliches und bilanzielles Fachwissen erforderlich ist. Diese Finanzprodukte eignen sich maximal für die Anlage von „Spielgeld“, also von Geld, das verloren gehen kann, ohne die finanzielle Situation von Verbrauchern zu gefährden. Zur Altersvorsorge und zum Aufbau von finanziellen Reserven eignet sich diese Anlageform nicht.“

Dorothea Mohn, die Teamleiterin Finanzen beim Verbraucherzentrale Bundesverband, fordert zudem einen klaren Schutz der Kleinanleger: „Die BaFin darf nicht länger machtlos sein, wenn sich Probleme bei Graumarktangeboten abzeichnen. Zudem müssen wir schnell mit dem Aufbau des Finanzmarktwächters beginnen, den die Bundesregierung vorsieht. Nur mit beidem zusammen können Fehlentwicklungen am Markt frühzeitig erkannt und Verbraucher besser geschützt werden.“

Auf die Bundesregierung wie auch die Finanzaufsicht kommen damit wohl arbeitsreiche Zeiten zu. Schließlich ist ein Anlagekapital von 1,4 Milliarden Euro eine deutliche Hausnummer – und die Zahl der Anleger doppelt so hoch wie einstmals im September 2008 bei der US-Großbank Lehman Brothers. Die wohl kaum noch zu verhindernde Prokon-Pleite wird damit eine Menge Staub aufwirbeln, bei Anlegern, bei Politikern und bei Aufsehern. Und vielleicht wird vielen Kleinanlegern dann endlich bewusst, wie sie aufgrund ihrer Gier nach hohen Zinsen, die in Zeiten der gegenwärtigen Niedrigzinsphase finanziell nahezu selbstmörderisch ist, immer wieder findigen Unternehmen in die Falle tappen.

Inzwischen geht die Staatsanwaltschaft Lübeck mehreren Strafanzeigen in Sachen Prokon nach. Dabei wird geprüft, ob es einen Anfangsverdacht wegen Betruges gibt und aufgrund weiterer Wirtschaftsdelikte. Diese Prüfung wird jedoch laut Aussage der Oberstaatsanwältin Wenke Haker-Alm noch einige Wochen andauern. Die Ermittlungen würden dann aufgenommen, sollte sich der Verdacht ergeben. Wir bleiben auf jeden Fall an diesem wichtigen Thema dran und hoffen zugleich, dass es Schule machen wird in Deutschland und die Anleger endlich aufwachen, bevor noch weitere in eine sinnlose Pleite stolpern.